Veröffentlichungen im Internet
Literaturcafé: Herr Kümmerlings Weg ins Literaturcafé
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Kurzprosa
Chips
Schuhe
klatschten in die Bordsteinpfütze. Der Regen spie auf das
Pechvogelhaupt, welches zu den Fenstern im dritten Stock aufsah. Dort
brannte kein Licht, nur der Schein einer Straßenlaterne
versuchte, durch die Gardinen zu schleichen. Triefnass stand die
Gestalt zu später Stunde vor dem Haus, und wenn zu dieser Zeit
noch jemand anders auf der Straße geschlichen wäre, dann
sicher nicht freiwillig. Alles schlief, nur Herr Vladis Smirsolcz
fand keine Ruhe. Er wusste, dort oben wohnt sie. Am Vormittag sah er
sie auf dem Markt zum ersten Mal. Dann schlurfte sie noch mit
gefüllten Taschen zum Bäcker Janowicz und verließ den
Laden mit einem dicken Laib Brot unterm Arm. Herr Smirsolcz
verfolgte sie bis in ihr Haus, oben im Treppenhaus verschwand sie
hinter einer Tür. Seitdem ging sie ihm nicht mehr aus dem Kopf,
und Vladis brach in dieser Nacht in das Haus ein. Schließlich
wollte er sich nur holen, was er brauchte. Mit Brechstange, Keil und
Meißel verschaffte er sich Zugang in die Wohnung. So stürzte
der arme Herr Smirsolcz mit leerem Magen in die fremde Küche.
Gierig riss Vladis die Kühlschranktür auf und ein großer
Traum flog ihm in die Hände: Kräuterleberwurst, Butter,
Champignonkäse, Radieschen, Endivien, Tomaten... Kurz gesagt
alles, was sein Magen begehrte. Auf dem Küchentisch lag der
große Laib Brot, den er vor vielen Stunden schon einmal gesehen
hatte. Nur eine kleine Ecke war abgeschnitten und im Magen der Dame
gelandet, die nebenan friedlich schlief.
Vladis Smirsolcz war
kein Verbrecher, nur einmal in seinem Leben wollte er menschenwürdig
speisen. Doch nun, als sein Magen gefüllt war, nahm seine Gier
über Hand. Er schlich den Flur entlang auf die Tür hinzu,
hinter der er das Schlafzimmer vermutete. Vladis war von Hoffnung
erfüllt, im Nachtkästchen der Dame noch etwas Begehrenswertes zu finden; vielleicht ein Stück Schokolade, und
schon drückte er bedacht die Klinke herunter. Vladis war
erleichtert, keine knarrendes Geräusch zu vernehmen, als die Tür
sich öffnete, nur leichte Schnarchgeräusche füllten
den Raum. Als Vladis aber den Schattenriss erblickte, der sich mit
ausgebreiteten Armen vor dem Zimmerfenster aufbäumte,
schlotterten seine Knie und sein gefüllter Magen wog so schwer
wie seine Brechstange. Schon bereute Vladis, sein Gewissen lastete
schwer. Der finstere Schatten erwies sich zwar als ein Ficus, und
Lust auf Schokolade war ihm vergangen, doch ein Zurück gab es
nicht mehr. Mit Vorsicht ging er an dem Gewächs vorbei. Das Bett
umrundet, ein scheuer Blick auf die Schlafende, ruckelte er nervös
an der Schublade des Nachtkästchens, sodass die alte Dame aus
ihrem Träumen gerissen wurde. Ihr ward es nicht mehr gegönnt,
jemandem den letzten Traum ihres Lebens zu erzählen. Gerade
hatte sie geträumt, ihr schusseliger Ehemann suche wieder mal
seinen Hausschlüssel in irgendeiner Schublade. Als sie nun
erwachte, ihren Kopf leicht vom Kissen erhob, glaubte sie, den Geist
ihres verstorbenen Gatten zu sehen. „Hallo Macin“, rief sie
erfreut. Vladis drehte sich erschrocken zur Seite. Als die gerade
noch Träumende in das entsetzte Gesicht des unbekannten Mannes
sah, verstummte sie auf ewig und fiel ins Kissen zurück. Vladis
erklärte noch, er sei der Vladis und nicht der Macin, doch seine
Worte verloren sich in der Stille. Er habe niemanden Schaden wollen,
beteuerte er später vor Gericht. Er wollte nur mal was
essen.
Vladis kam in die angesehene Besserungsanstalt des
Neurochirurgen Pawel Gorcyzka, der im Herzen von Masuren die
Forschungen von Dr. Joseph Dellbridge/USA über
Gehirn-Bio-Chipimplantate zum sensationellen Durchbruch verhalf. Dr.
Gorcyzka war überzeugt, aus Verbrechern anständige Menschen
zu machen. Vladis galt als voller Erfolg. Der Gehirnchirurg
verpflanzte ihm einen Bio-Chip in den Frotallappen, dann wurde Vladis
als geheilt entlassen. Wenn die Chips aber gelegentlich mal so aus
Vergnügen machten was sie wollten, raubte Vladis wieder alte
Damen aus. Auf gerichtlicher Verfügung ließ er sich noch
einmal operieren. Heute verkauft er im Kino
Kartoffelchips.
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Yvonne
Der Barhocker ist gerade freigeworden und schon hockt ein anderer praller Hintern. Der Aschenbecher verbiegt die Nase. Yvonne träumt aus dem Lautsprecher, schwelgen dahin, wenn nicht das Gelächter, das Gequassel wär, einfach zu voll, angerempelt von hinten, ach, Entschuldigung, und weiter, gar nicht hinhören, Catterfeld schon, und da, die Laufmasche, an der geheftet ein Blick, ging bis übers Knie, die schwarzen Strümpfe verloren sich im Kaufhausgewühl. Die Bedienung schiebt ein Bierglas vor die Nase, Aschenbecher verschwunden, Goldkette über das gebeulte schwarze shirt, keine Laufmasche, blaue Jeans tragen die lechzenden Brüste und Yvonnes Haare wedeln zwischen Gläser und Zapfhahn, eine Hand umfasst den schmalen Hals, das wellige Haar liegt auf der Zunge, in der Hose wallt es, jemand schlägt auf den Rücken, Bierschaum tröpfelt von den Lippen, hallo Matthias, ach so, Kevin ist‘s mit seiner Flamme, wie die lächelt, man, der hat‘s gut. Scheiße. Bis morgen dann (und ab), nur deswegen der Schlag auf‘s Kreuz, Affe. Durch den Monsun albert in der Luft, kein Bock drauf, verstörte Blicke, Yvonne..... über den Tresen gefleht, wie bitte? Ca...Catterfeld (würg und roter Kopf), sie lächelt und schwupp die Disc im Player.....
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Sterntaler
Herr Thaler arbeitet schon sehr lange nicht mehr und hat seinen Beruf vergessen. Er schlendert im Licht weihnachtlicher Beleuchtung, sieht Glühweintrinker und fröhliche Kinder, die in Süßigkeiten beißen. Herr Thaler wollte so gerne gebrannte Mandeln kaufen, verkneift es sich aber, weil er seiner Schwester ein Paket schicken möchte. Er setzt seinen Spaziergang in anderer Richtung fort.
Die Lichter des Weihnachtsmarktes sind längst erloschen, da kehrt Herr Thaler zurück und geht an den verschlossenen Verkaufsbuden vorbei. Plötzlich ein Knartsch unter seinem Schuh. Er bückt sich und blickt auf eine zertretene Mandel. Seine Finger tasten auf die platte Köstlichkeit. Ein paar Krümel legt er auf seine Zunge. Mehr kann er sowieso nicht essen, hat er doch gerade ein neues Gebiss durchgefochten. Er begnügt sich mit weicherer Kost. Nun ist er mitten auf dem Weihnachtsmarkt eingeschlafen und Sterntaler regnen vom Himmel.
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Polizeieinsatz
Am liebsten sitze ich in meinem Stammcafé im Herzen der Altstadt, genauer gesagt davor, denn in der Sommerzeit steht genug Gestühl auch auf den Pflastersteinen. Da gehen viele Menschen vorüber, Mütter mit ihren Kindern, Fahrräder rollen hinun her, Touristen fotografieren den Brunnen und kein Auto. Ist ja Fußgängerzone. Ach doch, kommt schon vor, dass ein Polizeiauto vorüberfährt. Polizisten dürfen nämlich nicht mehr zu Fuß gehen, weil sie ihre Energie für körperliche Einsätze aufsparen müssen. Jedenfalls verbringe ich dort gerne freie Nachmittage.
Da
war's einmal so:
Ein Besoffener schlief am Brunnen. Er war
besoffen, ja, denn ein paar leere Flaschen lagen dort herum, ebenso
ein zotteliger Hund. Keiner achtete auf den Mann, alle liefen vorbei,
und als ich ihn sah, wie er am Brunnen lag, dachte ich, er sei
vielleicht tot. Da kam ich in arge Bedrängnis, denn, ich traute
mich nicht, zu dem Besoffenen hinüberzugehen; hörte
schon die Bedienung schreien, ich müsse erst den Kaffee bezahlen
oder schlimmer noch, man würde mich gleich als Zechpreller
beschuldigen. Das wär mir so unangenehm und peinlich gewesen,
dass ich wie gelähmt am Stuhl festkleben blieb. Den Karotispuls
würde ich schon finden, dachte ich, aber was, wenn ich ihn doch
nicht finde, bzw. nichts fühle, keinen Puls? Was dann? Die
übliche Leier aus dem Erste-Hilfe-Lehrgang. Scheiße.
Grübelte, wie oft ich die Pumpe massieren müsse, und
wieviel Atemzüge durch's Nasenlöchl oder Mund. War mir
nicht mehr so sicher.
Musste plötzlich auf's Klo. Der Kaffee. Stand also auf, und als ich zurückkam, sah ich beim Brunnen ein Polizeiauto stehen. Ein Polizist lag am Boden. Was war passiert? Ich erkundigte mich bei der Bedienung. Mir wurde gesagt, der Hund habe zugebissen.
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Versenkung
Das Café "Kränzchen" liegt in einer
ruhigen Gasse. Gestern, die Kaffeetasse war gelehrt, nahm ich mein
Buch über "Die vier edlen Wahrheiten"
zur Hand und genoss die Stille des Nachmittages. Ich war schon so
richtig weggetreten, mein Geist trieb in höheren Spären, da
blickte ich doch irgendwann einmal verträumt auf. Ein
Frauenrücken stach mir ins Geäug. Sie saß am Tisch
vor mir. Das veranlasste mich zu der Überlegung, sollte ich mich
wieder in die Lehren des Buddha versenken oder an dem Damenrücken
hängenbleiben. Unbedingt sei hinzugefügt, den Rücken
konnte ich sowieso nicht sehen, denn ihr schwarzes Haar verdeckte die
halbe Wirbelsäule, die sie unter ihrem roten Pullover versteckt
hielt. Verwirrt, was zu tun sei, der Welt zu entsagen oder den
Pullover hochzuziehen, versuchte ich, mich doch wieder den Lehren
zuzuwenden. Das gelang mir ganz gut. Als ich wieder aufsah, war das
Mädchen verschwunden.
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Eine
Ostergeschichte
Männer und Ostereier, das ist so eine Sache.
Letztes Jahr, genau vor einem Jahr, also Ostern, Frau Salmusl hatte auf dem Donaumarkt ganz frische Eier gekauft vom Lande und zwar für ihren Mann. Frau Salmusl aß ja nur Schokoladeneier, denn das Gelbe vom Ei verdaue viel zu lange im Gedärm, dass sie befürchten musste, ihr werde zu Mittag die Übelkeit bis zum Kopf steigen, wenn sie auf dem Osterlamm kaue.
Herr und Frau Salmusl aßen also zum Frühstück Osterbrot mit Schokoschmiere, der Herr zwei Eier dazu. Kurze Zeit später war Herr Salmusl im Krankenhaus wegen Salmonellenvergiftung und ist leider daran verstorben. Da half auch nicht mehr der Zwetschgenschnaps, den seine Frau ihm über die Zunge goss, bevor die Sanitäter eintrudelten. Das war vor einem Jahr.
Frau Salmusl wuchs der Kummerspeck. Erst dachte sie, sie sei noch geschwängert in der Karfreitagsnacht, doch es lag an ihrer Schokoladenesserei. Sie fraß den Kummer in sich hinein und verweigerte freudianische Sitzungen auf dem Couchgestühl.
Neuerdings fluppst ihr die Magensäure desöfteren bis zum Zungengrund und klagt über Übelkeit. Ach so, denkt sie manchmal, hätt' ich doch damals in das Hühnerei gebissen.
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Kuhgässl
(eine Altstadtidyll) xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx Kreta im Mai. Der Wind fegt über das Schluchtgefälle,
er gräbt sich fauchend in mein Gesicht. An einem Steinbrocken
krallt sich meine Hand, sodass ich niemals absturzen werde. Frank
hält die Kamera in Position. Mein Gedanke, 'Drück endlich
auf den Auslöser'. Die psychische Komponente: Ich habe doch
Angst, der Wind könnte mich rückwärts die Schlucht
hinunterstoßen. Keine Zeit, die Angst bei einem Therapeuten
loszuwerden, starre ich auf den Auslöser der Kamera. Nein, der
ist verdeckt. Aus drei Meter Entfernung eine Fingerkuppe beobachten,
warten bis mit einem Klick der Auslöser ausgelöst wird, und
ich von der Angst erlöst werde. Wenn ich rückwärts
falle, bleibe ich bestenfalls mit Knochenbrüchen auf einem
Felsvorsprung liegen. Vielleicht neben einer Ziege, die zufällig
dort herumklettert. Dann wäre ich wenigstens nicht allein. Oder
ich bleibe vor einer Höhle liegen, einer minoischen Grabkammer.
Gestern unten in der Schlucht, umgeben vom Oreganoduft, blickte ich
die Steilwand hinauf, sah die Höhleneingänge und staunte.
Die Minoer mussten gangsicher wie schwarze Ziegen gewesen sein. Jetzt
höre ich die Ziegen nicht, sehe nur, wie hinter meiner Kamera
Franks Gesicht erscheint. Samstag...Sonntag....Montag....., ach ja, am Samstag schrubbte
ich den Fußboden mit kaltem Wasser. Die Geschäfte hatten
schon zu, darum konnte ich keinen Bodenreiniger gesorgen. Am Sonntag
langweilte ich mich und gestern ins Irish Pub, als ob ich den
Abschied meines sexuellen Notstandes betrinken wollte; am Dienstag aß
ich Schokoriegel, am Mittwoch lag tatsächlich ein Brief im
Kasten: Klassentreffen nächste Woche; abends einen Nizzasalat
mit viel Weißbrot in der Ostentorkneipe. Nachts dachte ich noch
an die schöne Bedienung und wälzte mich in dem zu schmalen
Bett. Donnerstag. Ich reiße hastig einen Brief auf,
unvorsichtig, denn das darin liegende Foto bekam auch einen Riss ab.
Der Riss durchfährt die Sommerfrisur und teilt den Kopf. Ich
halte die Hälften zusammen: Natürlich, das bin ich:
Niedergebeugt an einen Stein festgekrallt, mein Gesicht 30° in
die Höhe gerichtet, Augen aber zugekniffen und Mund halboffen.
Ich schaue genauer hin: Einige Haare stehen zu Berge. Das war der
Wind, genau. Kreta war schön. xxxx
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Markus
war Geschichtsstudent und fuhr nebenbei Taxi. Das Kuhgässl
kannte er aber nur vom Hören. Und so schwang er sich eines
schönen Sommertages auf seinen Drahtesel und radelte in die
Innenstadt, schlängelte sich zwischen Kinderwagen und
Arbeitslosen und bog in falscher Fahrtrichtung in die Ludwigstraße.
Das konnte er riskieren, denn plötzlich verschwand er und
holperte über das Kopfsteinpflaster einer Seitengasse. Er
glaubte sich am Ziel, als er durch einen sehr schmalen Durchgang
schlingerte, die Einkaufstasche einer jungen Dame sich in den
Speichen seines Fahrrades verfing und beide sich verschreckt in die
Augen sahen.
-Oh,
das tut mir Leid. Da läuft etwas aus ihrer Tasche.
-Der
Joghurt...
-das
ist mir wirklich peinlich, wissen sie....( er schaute auf ihren
schlanken Hals, dann wieder in ihr Gesicht)..ist das hier das
Kuhgässl?
-Was?
-Das
Kuhgässl.
-Ach
so, das Kuhgässl,
zwitscherte
ihre helle Stimme aus dem Lippenrot und bekam einen Lachanfall.
Markus bekam einen Einblick auf ihr Gaumenzäpfchen.
Markus
bückte sich, um die Tasche aus den Speichen zu entwirren. Sein
Kopf hing auf der Höhe ihrer Knie, die vom roten Kleid nicht
bedeckt waren. Er riss sich zusammen, schielte nur kurz auf die
nackte Haut, zupfte ungeschickt an der Tasche, als wolle er Zeit
schinden und noch einmal einen riskanten Blick wagen. Endlich
richtete sich Markus wieder auf und übergab ihr die
Tasche.
-Ich
stehe in ihrer Schuld und möchte ihnen gerne Joghurts kaufen,
wir können uns aber auch in das Bistro da vorne hinhocken. Ich
lade sie natürlich ein.
Sie
warf einen schnellen Blick auf ihre Uhr.
-Warum
nicht...
und
sie gingen ins Allora
.
Bevor Markus in den Hof eintrat, blickte er zurück und
sagte:
-Dort
passt wirklich keine Kuh durch...
-Ist
aber nicht das Kuhgässl, junger Mann.
-Ich
heiße übrigens Markus.
-Sabine..
Sie
reichte ihm die Hand. Ein verlegenes Lächeln huschte über
sein Gesicht. Da lag nun ihre Hand in seiner.
-äh...bitte
setzten sie sich doch
und
bot ihr einen Stuhl an. Er wusste nicht was er sagen sollte....
-Ich
war mal in Knossos und fotografierte den Zentralhof. Und raten sie
mal, wer auf dem Hof stand. Eine junge Frau mit rotem Kleid. Das
könnten sie gewesen sein.(Inzwischen saß er ihr
gegenüber).
Nun
lachten beide.
Er
sieht gut aus, dachte sie, seine dunklen Augen.... Markus fuhr mit
einer Hand über die Backe, es war ihm nicht anzusehen, dass er
sich über seinen Dreitagebart jetzt ärgerte.
-Ganz
schön heiß in so einer Jeans, sagte Sabine, um etwas zu
sagen.
-Ich
habe nichts anderes...(Scheiße, was rede ich).
-Naja,
hier weht glücklicherweise ein frisches Lüftchen.
Gott
sei Dank kam der Kellner und rettete Markus von dem blöden
Thema.
-Die
haben hier einen leckeren Salat mit T.G.P., Karotten und Champions
-
T
iramisu,
G
ummibärchen
und p
otatoes?
-Nee,
T
omaten,
G
urken
und P
aprika
-Hört
sich gut an. Probieren wir's.
So
saßen sie allein im schattigen Hof und tasteten sich mit
Blicken ab. Die lange Jeans und der Dreitagebart waren längst
vergessen und sie kamen ins plaudern. Der Salat war schon halb
verspeist und Markus kam nicht mehr von ihren Augen, von ihrem Mund,
und ihren Haarlocken los, und Sabine amüsierte sich, dass jemand
in der Bullenhitze auf die Idee kommt, in die Stadt zu radeln, um das
Kuhgässl zu suchen.
-Entschuldige,
ich muss mal telefonieren, sagte Sabine nach einer Weile und kramte
ihr Handy hervor.
-Du
hast ein Taxi bestellt?, sagte er, als ihr Handy wieder verschwand.
Wir sehen uns hoffentlich wieder.
-Ich
weiß nicht.
-Ich
möchte sie so gerne....
-küssen?
-k..k..kennenlernen(sein
Kopf lief rot an).
-Es
war sehr nett von ihnen, mich einzuladen.
-Ja,
es war sehr schön m..mit dir.
Sabine
stand auf, rückte ihren Stuhl an den Tisch.
-Mach's
gut, Markus, ich muss jetzt gehen.
Sie
reichte ihm die Hand. Da lag nun wieder ihre Hand in seiner. Mit der
anderen Hand kraulte Markus in Sabines Haar. Markus schaute
traumverloren herab in ihr Gesicht. Sie schaute entschlossen herauf
in seine dunklen Augen.
-Es
tut mir leid, ich gehe jetzt. (Sie verließ den Hof).
-Wo
willst du denn hin?, schrie Markus durch die Hausfluchten.
Sie
ging schon diese Nichtkuhgasse hinunter und er hinterher.
-Nun,
warte doch. Du kannst doch nicht einfach so...
Sie
hatte es nicht mehr weit bis zur Straße und drehte sich
herum:
-Verstehe
mich nicht falsch, es war ja sehr nett mit dir, aber ich
muss...
-Halt,
sie haben noch nicht bezahlt, rief der Wirt in scheinbarer
Verzweiflung hinter ihnen her.
-Ich
komme gleich, schrie Markus zurück.
Sabine
war schon weiter bis zur Straße und ein Taxi hielt. Die Autotür
öffnete sich, Markus lief auf sie zu und faselte völlig
außer sich von seiner Telefonnummer, die er ihr geben müsse.
Sie schaute besorgt zurück, setzte sich ins Auto, die Tür
fiel zu. Er sah noch, wie sie sich zu dem Taxifahrer hinüberlehnte.
Es schien so, als küsste sie ihn, und der Wagen für die
Straße hinab. Markus, inzwischen erbleicht, bekam trotzdem mit,
dass ein Buss den Straßenverkehr zur Langsamkeit zwang. In
seiner Verzweiflung durchschoss ihm eine Idee, eine letzte
Chance, seinem Glück nachzujagen. Der Wirt führte immer
noch im Schatten der Gasse einen Affentanz auf, Markus rannte durch
die Gasse, drückte dem Wirt einen 20er in die Hand -(die hagere
Gestalt hinterließ dem Kellner einen unheimlichen Eindruck.
Niemand, nur der Kellner hat die Qualen in Markus' blutarmen Antlitz
gesehen)- schwang sich aufs Fahrrad und bog in die Engelburgergasse
ein. Auf der Keplerstraße wollte er das Taxi abfangen. Auf
halber Strecke legte er aber reflexartig eine Vollbremsung hin. Er
sah, wie ihm ein rotes Sommerkleid entgegenkam. Leichtfüßig,
fröhlich, von einer Sommerbrise geküsst, immer näher,
immer näher......
Schöner
Urlaub
Monate später, die Bäume
waren schon kahgeschoren, Geschirr stapelt sich im Waschbecken, sitze
ich auf meinem Holzstuhl. Die Zeitung blättert über dem
Brotkorb. Meine Augen wandern wieder mal über Heiratsannoncen.
Sie, soundso alt, noch nicht liiert (na so was) sucht ihn (wen denn
sonst), interessiert sich für Musik und Natur (jetzt muss das
Interesse flackern, sonst Schwamm darüber)...Was für Musik
hört sie denn? Beethoven oder Jo Cocker? Nun gut, wenn sie
Klassik mag,lege ich beim ersten Treffen eine Violinromanze auf, wenn
nicht, dann hole ich Joe Cocker vom CD-Ständer, "You are so
beautiful", natürlich die Lifeaufname. Aber, woher soll ich
wissen , was sie mag? - egal, diesmal muss es klappen. Zügig ein
Brief verfasst, das Foto nicht vergessen, und ab in den Briefkasten.
Chiffrenummer - dauert länger bis ich Antwort bekomme und gerade
ist Freitag.