Gedichte


Verlassen 



Herbst ist vergangen
nebelverhangen
Schnee entblättert
wo du
gegangen

Gräser im Frost
schneeverhangen
sie ruh'n
was sollten sie sonst
tun

deine warmen Hände
verloren im Schnee
gestillt nur mein Herz
vom Duft der Azalee.




Hausbackene Frühlingsreimerei


Hurra, der Frühling ist schon da,
es freut sich auch die Großmama,
die Blümelein, sie duften fein,
den Mädchen geh' ich auf den Leim.


Es tänzeln farbenfrohe Röckchen,
verführen blondgelockte Zöpfchen,
mein Heißblut wollen sie gern brutzeln,
und an Hormonen lieblich zupfeln.

Im Sommer sind sie leider schon,
In alle Richtungen entfloh'n,
es gibt noch andere Gestalten,
die sie auch für Männer halten.

So ein Mist, ich dacht, ich wär'
ganz allein auf Freiersfüßen,
Mädchen flögen all' zu mir,
Traumentbrannt mit Liebesgrüßen.



Mykene

Leben
zerbrechlich wie eine Tonscherbe
wie schön der Blick ins Gesicht
Agamemnons
verweht ist der Atridenstaub
und mein Herz im Triolenschlag
unter dem Löwentor.



Kamille


Verdorrte Kamille in den Dünen,
der Juni ist so heiß,
ein Segel am Horizont.

Füße brennen schon,
tanzen wild,
sie wollen lieber schweben.

Das Meer - zum Greifen nah.
Wenn es nicht salzig wär' ,
hätte ich die Kamille begossen.

Füße stauben zu Asche,
heißer Sand auf den
Lippen.

Ein Hauch Kamille
hängt in der
Luft.




Ariel über den Cumuluswolken
in memoriam Shakespeare, Homer, Goethe

                            I
                     
Sie schnupften, weil der Luftgeist Ariel
mit Vollgas durch die Balken raste.
Was soll das, schimpft Prospero viel,
du frierst den Damen die Nase ein,
der edlen Alkeste, der Mutter Jokaste.

"Before you can say, >come< and >go<
and breathe twice, and cry, >so<, so<"
seh ich mir gern dein Wutgesicht an.

Nun sei kein Frosch, du luftiger Schnurz.
Du sollst nicht mehr Schweben über dem Gewässer,
droben über den Cumulus ist's wesentlich besser.

Auch tingeln sollst nicht hin und her.
Vom Himmel kamst Du und stiegest wieder.
Du musstest zur Erde in all den Aionen.
Nun sollst Du bleiben ewig droben.
Machs nun kurz mit kleinem Schnief.

"Well, I conceive."


                            II

Mit Braus und Geflatter, Gehäul und Gelächter,
bläst er hinauf, der Vakuumverächter.
fegt über des Cumulus' Weiten
sieht nicht den Schlitzohr Hermes gleiten.

Schmarotzt ihn derb ins Gesicht.
Beim Zeus, wer ist der Bösewicht?
Wer wagt mir ins Gesicht zu zischen
mir, dem Boten, eins auszuwischen?

Huia huui... im Wirbelwind
löst sich der Heroldstab geschwind
aus seinen Händen und stürzt schnurstracks
auf eine der Insel Stränden und - Knacks -
streift über Calibans kantigen Schädel,
der gerade noch träumte vom Hexenmädel.
Sein kauziger Knochenkopf, eine neue Delle,
noch deformierter, man, ging das schnelle.

"Und ein langes Gelächter erscholl bei den seligen Göttern."
hallte und schallte bis in des Rhapsoden Grab hinab.


                                  III


Oh, Du leichtfüßiger schöner Sandalenträger,
ich hoffe, du machst mir keinen  Ärger.
mir schwindelt's in meinem luftigen Hirn.

Nun fass dich kurz, windiger Schnurz,
denn es tragen die leichten Füße mich
zu den Rindern des Apollon.

Irgend wann puste ich dir die Sandalen weg.
Immer hast du etwas anderes vor,
du elend verfluchtes Schlitzohr,
und nennst mich auch noch einen Schnurz.
Ein Seelenbegleiter willst du sein?
Nein, nein, von wegen,
von mir bekommst du keinen Segen.

"If thou more murmur'st. I will rend an oak,
And peg thee in his knotty entrails, till
Thou hast howl'd away twelve winters."

Wenn das so ist, dann geh' nur weiter
und rette Seelen, sei ein guter Begleiter.
Ich gehe weg von Cumulus,
hier droben ist mir kein Genuss.

Es zieht auf dunkles Gewölk. Ariel lenkt alle Register
eine Böe, eine Briese, Sturm, ein tosendes Gezeter
Der Luftgeist stürzt herab, biegt Palmen, zerfetzt Häuser
Meereswogen türmen sich auf, die Insel versinkt.

Der Luftgeist klatscht ins Wasser mit Radau
und nennt sich Arielle, die Meerjungfrau.




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Begonnen hatte alles im Schoß der Natur:


Wenn die Sonne morgens aufwacht
hinter dem Gebirge,
Vögel singen ihre Andacht
in der Morgenfrühe.

Weißer Nebel schwebt ganz leicht
über grüne Wiesen,
feucht von Frost das Gras und seicht,
Gänseblümchen blühen.


und dann kamen die Frauen


Liebe und Tod

 Betrachte ich im Morgen Anbeginne,

die Röte, die am Horizont erglüht,


 


so weckt die Sehnsucht meine trüben Sinne

vom Rosenduft, der brennet und verglüht.

Gesänge Amors halten traurig inne,

im Reigen flattert Asche tot erkühlt.

Die Leidenschaft, wann wird sie sich erneuern?

 Vom Tod erwache, Amors Pfeile feuern.




Medusa

der Morgen graut,
meiner Geistesschwaden Moder
zirkelt in Kephalos' Gängen,
bändelt in Fängen.



  
Versteinert  nach Medusas Anblick   

                

Verwesungsgerüche -

dieses lastende Geschwür

hält ein drahtiges Geschnür.




                                             jemand zog es fest an.

                                             Doch, einmal träumte ich,
                                             der Morgen ergraute -
                                             und das erste Licht,
                                             als es durch mein Fenster schlich,
                                             schmolz den metalligen Faden.
                                             Die Steine rollten,
                                             Sisyphos bäumte sich auf und grollte -
                                             mich aber freute es,
                                             den Schall noch im Ohr.