Gedichte
Für Y.
Nocturne
Spielst du mir ein Nocturne
von Frédéric Chopin?
Deine Hände zart
die Tasten streicheln.
Du liebst den Flügel.
Du breitest deine Arme aus,
sie umfassen mich
wie schützende Flügel.
Du streichelst mich wie das Elfenbein,
in meinem Herzen eine Melodie summt.
Du sagst, ich bin dein,
und meine Lippen hängen an deinen Knospen.
Die Lust schwillt, wir wiegen uns im Takte.
Du liebst den Flügel, der für uns spielt.
Deine Zauberhände zart,
uns in die Träume wiegen.
(22.01.2012)
Nebel
Herbst ist gekommen
Jahre zerronnen
Freude zerronnen
nur der Schmerz drückt mein Herz
Ach, wie hab ich den Herbst geliebt
als ich im Frühling war,
als ich in deinen Armen lag,
als der Duft des Laubes
in unserem Atem zog.
Eng umschlungen
und irgendwann im Nebel
bist du verschwunden
Doch im Morgentau
wenn der Nebel über den Feldern träumt
dann rieche ich dein Parfum
und möchte deinen Herbst sehen
deine grauen Haare zählen
deinen Mund küssen
deinen Körper an mich drücken
Doch du bist im Nebel verschwunden
und wenn ich dich umarmen will
bist du eine Schleierwolke.
(01.09.2011)
Moralverbieger
Mal ist sie falsch
mal ist die echt
und manchmal ist sie keinem recht.
Sie wird geheuchelt
und gemeuchelt
und gerne auch zermalmt, gebeutelt
Sie wird gestreckt
bis sie verreckt
und ist dann wieder jedem recht
Verlogen, verschroben, verbogen
gepredigt, erledigt, abgefertigt
Moralapostel sind suspekt
man freut sich, wenn sie wieder weg
und kommt es zum Skandal
dann sind sie wieder da
und machen laut Randal
es wird gemunkelt und gemobbt
abgenudelt bis zum Schafott.
Neuerdings darf getötet werden
Moral gelötet
fällt
sie
in
Scherben.
Verlassen
Herbst ist
vergangen
nebelverhangen
Schnee entblättert
wo
du
gegangen
Gräser im
Frost
schneeverhangen
sie ruh'n
was sollten sie
sonst
tun
deine warmen Hände
verloren
im Schnee
gestillt nur mein Herz
vom Duft der Azalee.
Herbsträtsel
Erst rot,
dann gelb,
dann fällt es runter.
Wenn man spazierengeht,
tritt man drauf.
Hausbackene Frühlingsreimerei
Hurra, der Frühling ist schon da,
es freut sich
auch die Großmama,
die Blümelein, sie duften fein,
den
Mädchen geh' ich auf den Leim.
Es
tänzeln farbenfrohe Röckchen,
verführen
blondgelockte Zöpfchen,
mein Heißblut wollen sie gern
brutzeln,
und an Hormonen lieblich zupfeln.
Im
Sommer sind sie leider schon,
In alle Richtungen entfloh'n,
es
gibt noch andere Gestalten,
die sie auch für Männer
halten.
So
ein Mist, ich dacht, ich wär'
ganz allein auf
Freiersfüßen,
Mädchen flögen all' zu
mir,
Traumentbrannt mit Liebesgrüßen.
Mykene
Leben
zerbrechlich wie eine Tonscherbe
wie
schön der Blick ins Gesicht
Agamemnons
verweht
ist der Atridenstaub
und mein Herz im Triolenschlag
unter
dem Löwentor.
Kamille
Verdorrte
Kamille in den Dünen,
der Juni ist so heiß,
ein
Segel am Horizont.
Füße brennen schon,
tanzen wild,
sie wollen lieber
schweben.
Das
Meer - zum Greifen nah.
Wenn es nicht salzig wär' ,
hätte
ich die Kamille begossen.
Füße
stauben zu Asche,
heißer Sand auf den
Lippen.
Ein
Hauch Kamille
hängt in der
Luft.
Ariel
über den Cumuluswolken
in memoriam
Shakespeare, Homer, Goethe
I
Sie schnupften, weil der Luftgeist Ariel
mit Vollgas
durch die Balken raste.
Was soll das, schimpft Prospero
viel,
du frierst den Damen die Nase ein,
der
edlen Alkeste, der Mutter Jokaste.
"Before you
can say, >come< and >go<
and breathe
twice, and cry, >so<, so<"
seh ich mir
gern dein Wutgesicht an.
Nun sei kein Frosch, du
luftiger Schnurz.
Du sollst nicht mehr Schweben über
dem Gewässer,
droben über den Cumulus ist's
wesentlich besser.
Auch tingeln sollst nicht hin und
her.
Vom Himmel kamst Du und stiegest wieder.
Du
musstest zur Erde in all den Aionen.
Nun sollst Du bleiben
ewig droben.
Machs nun kurz mit kleinem Schnief.
"Well,
I conceive."
II
Mit Braus und Geflatter,
Gehäul und Gelächter,
bläst er hinauf, der
Vakuumverächter.
fegt über des Cumulus' Weiten
sieht
nicht den Schlitzohr Hermes gleiten.
Schmarotzt ihn derb ins
Gesicht.
Beim Zeus, wer ist der Bösewicht?
Wer wagt mir
ins Gesicht zu zischen
mir, dem Boten, eins auszuwischen?
Huia
huui... im Wirbelwind
löst sich der Heroldstab geschwind
aus
seinen Händen und stürzt schnurstracks
auf eine der
Insel Stränden und - Knacks -
streift über Calibans
kantigen Schädel,
der gerade noch träumte vom
Hexenmädel.
Sein kauziger Knochenkopf, eine neue Delle,
noch
deformierter, man, ging das schnelle.
"Und ein
langes Gelächter erscholl bei den seligen Göttern."
hallte
und schallte bis in des Rhapsoden Grab hinab.
III
Oh, Du leichtfüßiger schöner
Sandalenträger,
ich hoffe, du machst mir keinen
Ärger.
mir schwindelt's in meinem luftigen Hirn.
Nun
fass dich kurz, windiger Schnurz,
denn es tragen die leichten Füße
mich
zu den Rindern des Apollon.
Irgend wann puste ich dir
die Sandalen weg.
Immer hast du etwas anderes vor,
du elend
verfluchtes Schlitzohr,
und nennst mich auch noch einen
Schnurz.
Ein Seelenbegleiter willst du sein?
Nein, nein, von
wegen,
von mir bekommst du keinen Segen.
"If
thou more murmur'st. I will rend an oak,
And
peg thee in his knotty entrails, till
Thou
hast howl'd away twelve winters."
Wenn das so
ist, dann geh' nur weiter
und rette Seelen, sei ein guter
Begleiter.
Ich gehe weg von Cumulus,
hier droben ist mir kein
Genuss.
Es zieht auf dunkles Gewölk. Ariel lenkt alle
Register
eine Böe, eine Briese, Sturm, ein tosendes
Gezeter
Der Luftgeist stürzt herab, biegt Palmen, zerfetzt
Häuser
Meereswogen türmen sich auf, die Insel
versinkt.
Der Luftgeist klatscht ins Wasser mit Radau
und
nennt sich Arielle, die Meerjungfrau.
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Begonnen hatte alles im Schoß der Natur:
Wenn die Sonne morgens aufwacht
hinter dem Gebirge,
Vögel
singen ihre Andacht
in der Morgenfrühe.
Weißer Nebel schwebt ganz leicht
über grüne
Wiesen,
feucht von Frost das Gras und seicht,
Gänseblümchen
blühen.
und dann kamen die Frauen
Liebe und Tod
![]() | Betrachte ich im Morgen Anbeginne,
die Röte, die am Horizont erglüht, |
so weckt die Sehnsucht meine trüben Sinne
vom Rosenduft, der brennet und verglüht.
Gesänge Amors halten traurig inne,
im Reigen flattert Asche tot erkühlt.
Die Leidenschaft, wann wird sie sich erneuern?
Vom Tod erwache, Amors Pfeile feuern.
Medusa
der
Morgen graut,
meiner Geistesschwaden Moder
zirkelt
in Kephalos' Gängen,
bändelt in Fängen.
| Versteinert nach Medusas Anblick |
Verwesungsgerüche -
dieses lastende Geschwür
hält ein drahtiges Geschnür.
jemand zog es fest an.
Doch, einmal träumte
ich,
der Morgen ergraute -
und das erste Licht,
als es durch mein Fenster
schlich,
schmolz den metalligen
Faden.
Die Steine rollten,
Sisyphos bäumte sich auf und grollte
-
mich aber freute es,
den Schall noch im Ohr.

