Duell im Duett


Angie und Frank oder
"Frankie und Johnny" (William Faulkner),

egal, „Mann und Weib und Weib und Mann / Reichen an die Gottheit an“

13.09.2009
Steinmayr mit Krawatte in Schwarz/Rot/ Gold (er glaubt, er ist schon Kanzler)
Merkl, Weiße Bluse mit Kreuz am Kettchen der Christsozialen (sie glaubt, sie wird...bloß mit wem?)

nun, wadd ist sozial? Sozial ist, wenn jeder, der arbeitet von seinem Lohn leben kann. Die Mehrzahl kann das, darum ist das sozial, und der Manager des kapitalen Konzerns weiß nicht, wohin mit der Kohle. Das ist auch sozial, denn verhungern tut der ja nicht. Machen wir lieber ne kleine Koalition, die große wird eingefroren. Mit der FDP? Na, die wissen doch nicht wohin? Doch, war nur Spaß, dadd wissen se schon, bloß die Schwarzen wissen nicht. Und dann, die Grünen, die machen Gorleben zu, sonst verstrahlt die Gegend und Asse wird in den Weltraum geschossen, verglüht in der Sonne und gibt dann ne Supernova. Der Franz muss sich die Ärmel hochkrempeln, damit er mit den Grünen. Ach, da gibt es noch die Linke. Ja, die holen die hinein in die Regierung. Den Linken dann dadd Maul gestopft und regieret nur mit den Grünen. Irgendwie so. Na gut, dadd Volk wählt und nicht die, also, wenn es so kommt, sind wir dran schuld, dadd Volk.

Nun, wadd ist gerecht? Gerecht ist, wenn der Bankmanager 10€ pro Liter Milch bezahlt, und der Hartzler 0,25€. Gleicht sich irgendwie aus und die Milchbauern sind zufrieden.Gerecht ist auch, wenn alle wählen gehen. Ungerecht, wenn jemand seine Wahlbescheinigung verliert und nicht wählen geht.

Mal sehn, wadd da im Duett duellt wird. Wenn Merkel stottert wird Steinmeier Kanzler. Wenn Steinmeier stottert wird Merkel Kanzler. Wenn beide stottern, keiner.
    

(13.09.2009)

 

Herr Gabriel Zaszterbergl will den Nobelpreis


Wer möchte nicht reich sein, so reich, dass Banktresore platzen. Herr Gabriel Zaszterbergl war so einer. Um sein Ziel zu erreichen, schuf er sich eine Vorstellung von Reichtum in seinem Geiste. Kein Träumer, nein, in seiner Vorstellung war er von seinem Reichtum überzeugt. Darin hüpfte er immer am Strand von Madagaskar, flirtete mit Halle Berry herum oder flog zum Mond. Sein historischer Roman „Augustinus, der Heilige aus Tagaste“ war ein Welterfolg, in Stockholm kassierte er den Nobelpreis. So einfach war das. Irgendwann wachte er aus seinen Phantastereien wieder auf. Wenn man spät Abends an seinem Hause vorüberging, konnte man, wenn man hochschaute, Licht durch die Gardinen schimmern sehen, und niemand wusste, dass in dem Zimmer Herr Zaszterbergl an seinem Roman schrieb. Die neue Rechtschreibung kotzte ihn an. Obwohl er schnurstracks auf die fünfzig zuging, kam er sich manchmal wie ein Schuljunge vor. Halbtags in einem Metzgereibetrieb, geschickt von einer Zeitarbeitsfirma, mehr war sowieso nicht drin. Irgendwann hingen ihm dann die Schweinenacken zum Hals heraus. Genau deswegen beschloss er, ein Nobelpreisträger zu werden, auch wenn er in der Schulzeit von Mädchen verstört angegafft wurde, wenn er ihnen Liebesgedichte schrieb.

Heute dachte er an Halle Berry, wie er mit ihr am Strand von Madagaskar....und schiss auf die Gören. Die Schwedischen Kronen werden ihm die Impotenz in den Lenden schon austreiben, schwor er, und schrieb weiter. Der kleine Bub Augustinus war gerade am Brunnen und dann kam die Mutter Monika. In dieser Szene hatte Herr Zaszterbergl sich gerne von Thomas Mann inspirieren lassen, weil der auch Nobelpreisträger war, außerdem war die Gelegenheit günstig, weil das Nobelpreiskomitee gerade europäische Schriftsteller favorisierte. Roth in Amerika hat schließlich Kohle genug und ohne Schwedenkronen berühmt. Also wollte Gabriel den Preis für Deutschland holen. Mit Grass könne er es schon aufnehmen,  dachte er.

Drei Wochen schon schrieb er an dem ersten Kapitel und kam nicht weiter. Die Monika erzählte dem Bub Geschichten vom Wüstenhimmel. Da Herr Zaszterbergl, weil er halbtags bei den Schweinen arbeitete, nicht soviel Geld hatte, und die Bundesregierung sowieso davon abriet, alleine in die Wüste zu fahren, bekam er eine Schreibhemmung. Schließlich wollte er den Wüstenhimmel so realitätsnah wie irgend nur möglich schildern und das konnte er nicht.

Einige Zeit danach, in einer Buchhandlung, entdeckte er „Himmel über der Wüste“ von Paul Bowles. In diesem Buch fand er Trost. Bowles bekam nicht den Nobelpreis.

(11.10.2008)



  Gegenmaßnahmen meinerseits zur aktuellen Bankenkrise


Nachdem die KfW - Bank ihr Geld versemmelt hatte, ging ich tags darauf zur Dame hinter dem Schalter, natürlich meine ich das so, ich stand vor dem Schalter, die Dame hinter dem Schalter. Übrigens ging die Dame damals in meine Penne, eine Klasse höher, und so schaute ich Pennäler immer verliebt zu ihr hoch, da sie auch noch fünf Zentimeter größer war als ich, aber dass ist ja eine ganz andere Geschicht'. Damit die Dame also, die hinter dem Schalter, hinter dem Glase also mich nicht erkennen konnte, hatte ich 'ne Sonnenbrille auf und schob ihr nun meine Kreditkarte durch den Glasscheibenschlitz. Sie betrachtete das Kärtchen sehr sorgfältig, erkannte mich aber immer noch nicht, da ich damals, sie ahnten es vielleicht, nur heimlich in sie verknallt war, und die eben nichts von mir wusst'. Ich sprach also zu ihr, nicht etwa Geld oder Leben, obwohl mein Leben schon fast davon abhing, ich meine, ein Leben mit Schotter oder ohne. Ich schrie also: "Schotter her, kompletto". Die Dame dann, erschreckte dermaßen, weil sie in mir einen Bankräuber sah. Darum schrie ich verweifelt: "Nur meinen Schotter, Süße". Dabei verschluckte ich mich peinlicherweise, würgte das "Süße" nur verkorkst durch das Gehege meiner Beißerchen, erschrocken, weil ich damals, also nachdem die KfW so doof gewesen war, erstmals meine Schüchternheit überwunden hatte. Die Dame hinter dem Schalter gab mir die Kohle, denn sie war froh, mich loszuwerden, und so reiste ich mit 50 Riesen, die normalerweise meine Rente absichern sollten, nach Vaduz geradewegs zu einer Spielbank. Von dem was dann übrig blieb, kam auf ein Konto dort in Liechtenstein. Wenn ich mir überleg' die Zinsen dort, damit könnt ich mir meine Renten schon aufmöbeln. Der Herr am Schalter verriet mir, "Ihr Geld ist in guten Händen" und rieb sich noch die Händ'. Da bekam ich doch Angst, mein Geld würd' vielleicht nie mehr aus seinen Händen zurück in die meinen gelangen, traute mich aber nicht, es wieder zurückzufordern. Im Grunde genommen war ich aber froh, denn in der Spielbank gestern, dort fühlte ich mich das erste Mal als reicher Mann und mein Egogefühl ging mir manisch bis weit über das Nasengelöch hinaus. Das war mir das alles wert. Zur Not kann ich im Rentenalter, bevor mich der Teufel holt, noch eine Wurstbude aufmachen.

(01.10.2008)


Die Geschichte von Heinz guck auf dein Handy

( in memoriam Heinrich Hoffmann,1809-1894, dem Schöpfer des Struwwelpeters)


Heinz war ein ganz gewöhnlicher Schuljunge. Wenn sein Handy losmelodierte oder piepste, schaute er immer auf das Display. Sie schrieben gerade einen Schulaufsatz über Hesses Unterm Rad, da piepste eine SMS in seiner Hosentasche. Die Lehrerin schaute böse über ihre Brillengläser, und Heinz zog sein Handy heraus und schaute drauf. Er hörte aber die Lehrerin daherschlurfen. Weil er sein Handy behalten wollte, lief er aus dem Klassenzimmer.

Heinz war gerade achtzehn und hatte Fahrschulprüfung. Die Ampel war rot, er trat auf die Bremse. Einen Tag vor der Prüfung hatte Heinz alle seine Freunde und Freundinnen gesimst, sie sollten ihn am Dienstag zwischen 10.00 und 10.45 Uhr nicht simsen, auch nicht anrufen. Trotzdem piepste es. Heinz griff elektrisiert in seine Hosentasche, zog es heraus. Der Fahrlehrer blickte böse. Bevor der es einkassieren konnte, war Heinz aus dem Auto verschwunden und ging seelenruhig, sein Blick auf das Display gerichtet, quer über die Kreuzung. „Ich liebe dich“, las er. Heinz dachte an Doris und hörte nicht das quietschen der Autoreifen.

Einige Jahre später war Heinz verheiratet. Mit Dorle. Doris hatte ihn damals verlassen, nachdem er sich über ihre Liebeserklärung beschwert hatte. Mit Dorle war er jetzt im Bett. Gerade wollten sie anfangen, na, sie wissen schon..., da zwitscherte das Handy. Heinz wollte gerade danach greifen, da fing Dorle plötzlich zu heulen an. „Was is' los?“ - „Ach“, klagte Dorle, „Ich muss gerade an meinen Kanarienvogel denken, der tot ist.“ Es zwischerte immer noch, dann hörte Heinz im Handy Doris' Stimme. „Hallo Doris, du?“ Leider ist es ihm später erst eingefallen, dass er das nicht hätte sagen sollen, denn Dorle heulte jetzt noch lauter, und ihm flog eine Watschen um die Ohren. Das Handy fiel herunter und Dorle verließ ihn auf der Stelle. Heinz konnte nur noch feststellen, die Verbindung war unterbrochen, die Verbindung zu Doris.

In den nächsten Jahren sah man Heinz, wenn er spazieren ging, wie verbissen er sein Handy anguckte. Deswegen wurde er schon verspottet. „Schaut mal, da geht Heinz mit seinem Handy spazieren!“ Heinz selbst merkte nichts von diesen Spötteleien und googelte weiter nach Doris, die er niemals wiederfand.

( 05.08.2008 )